How to survive in Rio… mit dem Auto

How to survive in Rio… mit dem Auto

Mit der Abendfahrt in einer lauschigen Dezembernacht quer durch Rio hätte ich in Deutschland wohl den Führerschein für immer weg. Frei nach dem Motto: 15 rote Ampeln später…

Autofahren als Erlebnis – wer vom deutschen oder europäischen Straßenverkehr gelangweilt ist, sollte sich unbedingt in Rio einen Mietwagen nehmen. Wie üblich wird man natürlich an der Mietwagenstation bekniet, ein Upgrade oder eine unsinnige Zusatzversicherung abzuschließen. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich nur das Basic-Auto ohne Servolenkung und mit gar nix bekommen würde. War mir aber egal, und letztenendes stand ein fabrikneuer Kleinwagen mit 300 KM auf dem Tacho da.
Ab im Straßenverkehr heißt es Augen und Ohren auf – Augen, weil auch auf neuen Straßen die Kanaldeckel gerne tief verlegt sind und Geschwindigkeitsbegrenzungen gerne mit nicht markierten Erhebungen auf der Straße „kontrolliert“ werden. Ohren, weil sich die halsbrecherisch durch die Autoschlangen wuselnden Motorradfahrer mit Hupen ankündigen. Regeln gibt es schon, aber die sind weitestgehend uninteressant – wer bremst, verliert und wer abbiegen möchte, muss sich einfach reindrängeln. Was man aber sagen muss – trotz unglaublich chaotischem Fahrstil, rast in Brasilien niemand – undenkbar, dass man wie in Deutschland mit Lichthupe von der Straße gefegt wird. Okay, der Brasilianer überholt in so einem Fall einfach rechts oder erfindet eine zusätzliche Fahrbahn. Blöd wie wir Deutschen sind, bauen wir für Milliarden Euro neue Autobahnspuren, der Brasilianer lässt einfach die Markierungen weg und alles regelt sich von selbst.
 
Spannend wird es übrigens, wenn man mit Einheimischen unterwegs ist, da hat man wenig zu lachen… „Fahr doch“ … „Ja aber die Ampel ist doch rot“ – „ja und, aber kommt doch niemand“. Allerdings, das muss man sagen – tatsächlich ist man Nachts gut beraten, nicht anzuhalten, aus Sicherheitsgründen. Noch immer kommt es vor, dass Überfälle an Ampeln verübt werden. Daher: Nach Möglichkeit bei Nacht in Rio de Janeiro auf der Straße nicht anhalten. Und je weiter man von belebten Gegenden weg ist, desto wichtiger ist dieser Rat. Und ganz heimlich kann man es genießen, dass auch die 10. überfahrene rote Ampel keinen Cent oder gar den Führerschein kostet. Okay, ganz sooooo kostenfrei war es dann doch nicht, drei Wochen später wollte man aus Rio dann doch ein wenig Geld für zumindest eine Ampel haben. Aber besser 80 Euro bezahlt als ausgeraubt. So muss man das sehen. Und wer kann schon ein Strafmandat aus Rio sein eigen nennen?
In Brasilien sind Autos übrigens wahre Platzwunder. Ich durfte erleben, wie man in einen Kleinwagen ganz problemlos 8 Leute unterbringt. Eh eh schon als Fahrer auserkoren und mit nur einem Bier in tiefer Nacht aus einer Bar ins Auto getrollt, waren auch noch gleich alle Kollegen meines Freundes mit dabei. Weil: Die Busse fahren ja nicht mehr. Und schwupps wird der Kleinwagen zum Kleintransporter, beim Ein- und Aussteigen aber eher zum Clown-Mobil. Es passen tatsächlich acht Personen in einen Kleinwagen. Auch hier gilt: In Brasilien ist das völlig normal und der Polizei ist das gleich dreimal egal. Im Übrigen gilt, was den Straßenverkehr betrifft: Alles halb so wild, wer einigermaßen Auto fahren kann, kann das auch in Rio de Janeiro. Man muss einfach etwas forscher fahren und die Augen rundum haben, dann klappt das perfekt.
Von |2018-11-04T15:46:10+00:00November 4th, 2018|How to survive-Reiseblog|Kommentare deaktiviert für How to survive in Rio… mit dem Auto