How to survive in Helgoland

How to survive in Helgoland

Rüm hart, klaar kimming – Großes Herz und weiter Horizont. Das beschreibt die skurrile Insel in mitten der Nordsee wohl ganz gut. Zwischen Butterschiff, Krabbenkutter und Bunkeranlagen wartet ein ziemlich verrückter Mikrokosmos darauf, entdeckt zu werden. Auf nach Helgoland.

Helgoland, das klingt irgendwie unwirklich und man denkt wohl eher an so eine Art Vergnügungspark mit bunten Plastiksteinchen. Die älteren Semester kennen die Insel noch von legendären „Butterfahrten“, da man damals (und auch noch heute) zollfrei shoppen kann. Was zu merkwürdigen Verpackungsgrößen und noch merkwürdigeren Angeboten in den Läden führt. Doch eigentlich ist Helgoland ein Naturparadies, eine Insel der Ruhe und ein Ort, zu dem man immer wieder kommen mag.
Alles in Lot aufm Boot? Wer nach Helgoland will, der wird sich in 95% für den Weg über das Wasser entscheiden. Der Flieger von Hamburg aus ist doch recht teuer. Ebenfalls von den bekannten Hamburger Landungsbrücken aus geht es mit dem Katermeran flott in Richtung Hochseeinsel. Diese Transportmöglichkeit wird aber erst ab Cuxhaven am offenen Meer schnell. Auf der Elbe darf das Gefährt nicht Vollgas geben und ganz ehrlich, das erlebt man nicht, das ist Langeweile pur. Das nächste Mal werde ich sicher erst in Cuxhaven zusteigen, diese Gondelei auf der Elbe ist wahrlich kein Spaß. Aber nun gut, wie gesagt, auf dem offenen Meer gibt das Schiff Gas und nach knapp einer Stunde ist man auf Helgoland. Bei ruhigem Wetter ist es wunderbar und macht Spaß, man berichtet aber, dass bei Wellengang das halbe Schiff mit der Kotztüte herumläuft. Wer er es bei jeder Wetterlage ruhig will, fährt mit einem der Seebäderschiffe. Diese sind ungefähr doppelt so lange unterwegs, aufgrund Ihrer Größe aber unempfindlicher gegen Wellengang. Bei meinem ersten Helgolandbesuch war das die Reiseoption der Wahl und tatsächlich war auf der Rückfahrt trotz starkem Wind alles in Ordnung. Kann aber auch an den kleinen Pflastern gegen Seekrankheit gelegen haben, die ich mir hinter das Ohr geklebt hatte. Was auch immer da für Drogen drin sind – sie funktionieren zu 100% und man ist gegen Schaukelei auf dem Kahn komplett immun.
Zurück zur Insel. Helgoland ist ein kleiner Mikrokosmos… Schon die Hummerbuden in ihren fröhlich-bunten Farben sind ein echter Hingucker, hier bieten viele Kunstschaffenden das eine oder andere Kleinod feil. Etwas rustikalere Genüsse gibt es direkt im Unterland – ein Alkohohlshop neben dem anderen. Die hochprozentigen Gewässer sind praktischerweise so abgefüllt, dass man das Maximum mitnehmen kann, ohne Zoll zu bezahlen. Mehrwertsteuer ist auf der Hochseeinsel auch nicht fällig, wird aber durch das Inselproblem (Waren müssen da irgendwie hinkommen) auch fast wieder kanibalisiert. Und opjepaaast: Tatsächlich gibt es bei der Rückkehr ans Festland Zollkontrollen. Zwar nur Stichproben, aber wer die teure Rolex von Helgoland runterschmuggeln will, hat dann unter Umständen am Festland direkt ein Problem… Doch zurück zur Insel.
Das Unterland besteht aus vielen Pensionen, kleinen Hotels, Restaurants und vielen, vielen Läden. Auch ein kleiner Supermarkt ist vorhanden. Sprich, alles Lebensnotwendige ist direkt verfügbar. Ins Oberland geht es entweder über eine große, extrem lange Treppe oder ganz komfortabel per Lift – ist natürlich kostenpflichtig, aber auf Dauer doch deutlich entspannter als die gefühlt 10.000 Stufen. Im Oberland gibt es hauptsächlich Pensionen und Restaurants. Und nach nur wenigen Schritten ist man mitten in der Natur, für die Helgoland so berühmt ist. Die „lange Anna“, den roten Sandsteinfelsen, erreicht man in gerade mal einer Viertelstunde. Und das Schauspiel dort ist wirklich beeindruckend, und schon von weitem ist der ohrenbetäubende Lärm der dort hausenden Vögel nicht zu überhören. Und wer gerne fotografiert, kann sich hier nicht nur in der Fotografie, sondern auch in Komplexen üben – bei den Amateuerfotografen scheint hier wirklich das Motto „Je größer je besser“ zu gelten. Unter einem 600mm-Objektiv muss man hier gar nicht mit dem Fachsimpeln anfangen… Tagsüber ist der Rundweg über das Oberland mit seiner grandiosen Aussicht meist gut besucht. Bleibt man aber über Nacht auf der Insel, hat man diese Welt abends nahezu für sich alleine. Und diese Atmosphäre, bei Sonnenuntergang die Vögel am Felsen zu beobachten und den Abendwind zu spüren, kann man nicht in Worte fassen und ist ein unvergessliches Erlebnis.
Was kaum jemand weiß, der Helgoland noch nicht besucht hat – direkt neben der Insel gibt es mit der „Düne“ eine rund 70 Hektar große Zweitinsel, die bis ins 18. Jahrhundert mit Helgoland selbst verbunden war, aber aufgrund einer Sturmflut abgetrennt wurde. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Pläne, die Verbindung wiederherzustellen, das Vorhabend wurde von den Insulanern aber zuletzt vor rund 10 Jahren mehrheitlich abgelehnt.
Und so muss man auch weiterhin mit dem Taxiboot rund einen Kilometer über das Meer anfahren, um den nächsten, völlig anderen anderen Mikrokosmos von Helgoland zu erkunden. Tatsächlich besteht diese Insel hauptsächlich aus Strand, Sand und klassischer Dünenlandschaft. Hier kommt man Robben so nahe wie sonst wohl nirgendwo – natürlich sollte man gebührenden Abstand von diesen Raubtieren halten, aber selbst mit 100m Abstand ist es ein beeindruckendes Erlebnis, die teils zu Dutzenden am Strand ruhenden Tiere zu beobachten. Ein El Dorado für Tierfotografen mit extrem dankbaren und gechillten Hauptdarstellern. Ein halber Tag geht hier rum wie nix und da die meisten Tagestouristen den Weg auf die Düne aus Zeitgründen nicht finden können, hat man zu jeder Tageszeit dieses Kleinod nahezu für sich alleine.
Ein anderes „Kleinod“ ist übrigens die weitläufige Bunkeranlage, die Helgoland durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Im zweiten Weltkrieg wurde die Insel zur Festung ausgebaut – noch heute profitiert die Insel übrigens von den umfangreichen Schutzmaßnahmen zur Inselbefestigung, die das fragile Gestein vor der Brandung schützt. Die Bunkeranlagen wurden nach dem Krieg teilweise von den Briten gesprengt, allerdings mit wenig Erfolg. Und so kann man heute noch einige komplett erhaltene Bereiche besichtigen. Wirklich sehenswert!
 
Noch ein persönlicher Schmuddelwettertipp: Es gibt im Unterland auf der Hauptinsel ein Schwimmbad mit der wahrscheinlich coolsten Sauna Deutschlands. Hier hat man dank Panoramafenster einen herrlichen Blick aufs offene Meer. Wenn das mal nicht entspannt? Und das Schwimmbad ist bei der immer kalten Nordsee für die Körperertüchtigung meist eh die bessere Wahl als der Strand.
Von |2018-11-04T12:54:38+00:00November 4th, 2018|How to survive-Reiseblog|Kommentare deaktiviert für How to survive in Helgoland